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Wahre Geschichten
La fausse réponse edition-inversif 0910
 La fausse réponse
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Hôtel de L'Iroise edition-inversif 0906
à Mara:
...der Schriftzug „Hôtel de L'Iroise“ war für den Film übertüncht worden, freilich so schlecht, dass man ihn gerade noch entziffern konnte, wenn man das Bild anhielt.
fortan ließ mich dieses Haus im ewigen Wind nicht mehr los, ich musste wissen, wo es zu finden war. die Recherchen gestalteten sich mühselig & aufwändig, es gab ja 1993 noch nicht wirklich so etwas wie das Internet .. schließlich aber hatte ich es gefunden. es lag an der Pointe du Raz im Département Finistère ganz im Westen der Bretagne, direkt am Meer. ich verbrachte den gesamten Januar 1994 in Zimmer Nr. 8 in dem Hotel, um Frieden zu finden & eine Erzählung zu schreiben. beides gelang.
das Hotel wurde von einer alten Dame, Madame Le Coz, seit 1950 betrieben. sie war gebürtige Bretonin & sprach besser deutsch als französisch.
im Februar 1997 wurde das Hôtel de L'Iroise auf Betreiben von Naturschützern abgerissen.
ich habe es niemals vergessen. & als ich es in den Dreamlines von Leonardo Solaas eingegeben & wiedergesehen habe, stand es für mich fest, dass ich es „malen“ würde, mitten in seinem Wind, fast zehn Jahre, nachdem es innerhalb von nur dreißig Minuten dem Erdboden gleich gemacht worden war.
Madame Le Coz ist wohl nicht mehr am Leben.
vor sechs Jahren war ich nochmal an dem Ort, an dem das Hôtel de L'Iroise gestanden hat.
inzwischen haben Heide und Ginster dort alles überwuchert.
 Hôtel de L'Iroise
Festhalten, aufzeichnen des letztes Moments...
Cathrine hatte sich mit der Zeit verändert - war ruhiger und schöner geworden. Aber wer sie kannte, sah, dass die Bewegungen der jungen Frau mechanisch und angespannt waren.
Sie parkte ihren alten Renault auf dem staubigen Parkplatz und betrat die kleine alte Eingangshalle des Hotel L'Iroise. Marie Le Coz lächelte sie herzlich an - sie verstanden sich auch ohne Worte. Die gute Seele des Hotels sprach zwar ein wenig deutsch, aber sie kannten sich nun schon über zehn Jahre; da war man dem oberflächlichen Geplauder längst entwachsen.
"Zimmer 12, wie immer" lächelte Marie, doch Cathrine zögerte etwas. Sie hatte in den Nachrichten vom bevorstehenden Abriss des Hotels gelesen, und es war nicht schön, zu wissen, dass sie nun das letzte Mal in ihrem Zufluchtsort in der Bretagne weilen sollte. Die meisten Menschen verstanden ihren Hang zu dem kleinen, windschiefen, weißen Gemäuer nicht - verstanden nicht, was sie suchte - hier am Ende der Welt. Nicht nur der Bäcker war über fünfzehn Kilometer entfernt, auch jedes andere Leben schien wie ausgelöscht in der harten, kargen und wilden Landschaft.
Aber für sie wurde es nie langweilig. Hier konnte sie zur Ruhe kommen, nachdenken, Pläne schmieden. Während sich ihre Freundinnen in Wellnessfarmen aalten, wollte sie den Wind fühlen, auf ihren Klippen sitzen und sich stundenlang mit den Möwen das Meer teilen.
"Machen Sie sich keine Sorgen, Madame", unterbrach Marie ihre Gedanken. "Wir beide werden bald einen anderen Platz für die Seele finden. Wie immer heute Abend ein Vin Rouge im Salon?"
Cathrine nickte wortlos, nahm ihren Koffer und bestieg die alte Holztreppe zu dem Zimmer unter dem Dach. Es war immer das gleiche Ritual. Sie trat ein, stellte ihren Koffer auf den wackligen Holztisch und öffnete des Fenster. Nirgendwo sonst war sie dem Himmel so nah, und nirgendwo sonst konnte sie die Freiheit so schmecken wie hier. Es wehte wie immer ein scharfer Wind vom Meer her, und sie fühlte, wie die letzten Wochen von ihr abfielen - sie lernte wieder zu atmen, und sie wusste nicht, ob es der Nordwind oder ihre eigenen Tränen waren, die nach Salz schmeckten.
(merci à Mara pour leur histoire)
Video (© Mark-Steffen Göweke)
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Les chevaux celestes edition-inversif 1005

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